Urlaub von der Geschichte

Urlaub von der Geschichte

Meditationen in Saint-Germain-en-Laye.
Erstveröffentlichung in Cricticón Nr. 41, Mai 1977.
1983 gekürzt als Kapitel 14 in Austria infelix oder Die Republik der Neidgenossen
Saint-Germain-en-Laye? Benannt ist dieser Ort nach dem heiligen Germanus, Bischof von Paris, der ein Patron der Gefangenen ist und in Saint-Germain-des-Prés bei Montargis bestattet wurde. Seine Gebeine wurden jedoch von den tollwütigen citoyens anno 1793 aus dem Grab gerissen und zerstreut. Die Orgien bei den Königsgräbern in St. Denis hatten als Vorlage gedient – die Provinz darf hinter der Metropole nicht zurückstehen. Mit der Moderne haben sich eben auch die Kopfabschneider and Leichenschänder eingestellt. Daher sind die bewegten Seiten unserer Geschichte von Hassern und – im tiefsten Sinne des Wortes – Gleichmachern geschrieben wurden. Wer hervorsticht, anders denkt oder mehr besitzt, soll ausgemerzt wurden. St. Germain-en-Laye ist eines Besuches wert. Wenn man aus dem unterirdischen Gewölbe der Schnellbahn von Paris auftaucht, sieht man gleich die unserem Heiligen geweihte Kirche, in der sich die sterblichen Überreste Jakobs II. befinden. Zur Linken erhebt sich dunkelgrau das Schloß von St. Germain, das mit der tragischen Geschichte der alten Welt nicht weniger verbunden ist. Doch zunächst zur Kirche.

An Stelle einer älteren Kirche entstand hier 1766 ein neuer, recht nüchterner klassizistischer Bau, auf dessen Außenseite eine Tafel uns an Königin Viktoria erinnert. Sie hatte das Grabmal des letzten regierenden Stuart erneuern lassen. Das Haus Hannover hatte den Stuarts gegenüber immer ein schlechtes Gewissen. Der allerletzte königliche Stuart, Henry Benedict, Cardinal York, der in Frascati 1807 starb, hatte von Georg III. eine Pension bekommen und Georg IV. ließ ihm in St. Peter von Canova ein Grabmal errichten. Bis auf den heutigen Tag starben die Jakobiten nie ganz aus;[1] im Enkel des Kronprinzen Rupprecht von Bayern sehen sie ihren legitimen Monarchen. Auch in der Familie der Königin-Mutter Mary (Bowes-Lyon) lebt diese Tradition. Es ist sicher kein Zufall, daß der jetzige Thronfolger einen unzweideutigen Stuart-Namen tragt: Charles. (Karl I., Charles the Martyr, wird heute noch verehrt!)
1688 hatte die „Glorreiche Revolution“ England in eine Adelsoligarchie verwandelt. 1690 versuchte Jakob II., seine Herrschaft vom treu-katholischen Irland aus wiederzuerrichten. Am 11. Juli wurde jedoch der König in der Schlacht an der Boyne von Wilhelm III. und seinem General Schomberg, der hier fiel, geschlagen. Jakob mußte wieder fliehen, and die Iren wurden England restlos unterworfen. Alljährlich feiern die Protestanten diesen Sieg im Norden der geteilten Insel, vor allem in Belfast. Nachte vorher wird schon drohend getrommelt and getrommelt – the drums of the Boyne River! In schwarzen Anzügen, die Melone am Kopf, mit orangefarbenen Binden, die Trommeln rührend, marschieren sie mit steinernen Gesichtern über das stets nasse Pflaster. Schüsse? Sie könnten in den Stadtteilen Ballymurphy or Ballymacarett aus jeder Richtung kommen.

Das Grabmal Jakobs II. in der Kirche ist schlicht. Nur ein Tell seines Körpers ruht hier, denn gierige Reliquiensammler haben gleich nach dem Tod des im Geruch der Heiligkeit gestorbenen, einst so lebenslustigen Monarchen and Wundertäters, kleine Stücke der Leiche an sich gerissen.[2] Es ist Stille im nüchternen Gewölbe. Jakob hatte Jahre hindurch im Schloß von St. Germain Hof gehalten, ganz im Stil des „Court of St. James“, aber dank des Einflusses eines Zisterzienserabts war ihm die Nichtigkeit allen irdischen Strebens aufgegangen und die Ewigkeit stand vor seinen Augen – wie Karl V. oder Alexander I.[3] Doch hier auf Erden ging das Ungemach weiter. In Belfast, in Londonderry, in Newry, in Armagh hört man bis auf den heutigen Tag das Knattern der Maschinenpistolen, das Bersten der Sprengkörper, die Weh- and Wutschreie. Geschichte ist Geschehen, das man nie mehr auslöschen kann.

Das zeigt erst recht das gegenüberliegende Schloß, das auch zu einem großen Teil ein viel älteres ersetzte, und in dem nicht nur der Stern der Stuarts, sondern auch der Habsburger untergegangen war. Franz I. verfügte lediglich, daß die gotische Sainte Chapelle erhalten blieb. Im 19. Jahrhundert kamen weitere Zusatze (Viollet-le-Duc!). Der Bau steht groß, mächtig, grau da, mit abweisenden Mauern und zierlichen Verbrämungen.[4] Die Terrassen und ein prächtiger Park schließen sich ihm an.

Hier wurde nicht nur Ludwig XIII. geboren, dessen Frau, Anna von Österreich, im nahen Wald eine Jagdloge bauen ließ, sondern auch Ludwig XIV., der Sonnenkönig. Die Bezüge auf das Haus Österreich sind zahlreich. Franz war der erbitterte Feind Karls V., und im Jahre 1635 wurde hier mit Bernhard von Weimar und seinen Schweden ein Vertrag gegen Kaiser and Reich geschlossen. Gewisse Fürsten des Sacrum Imperium waren dem Verrat immer sehr geneigt und Richelieu ein höchst kurioser Sohn seiner Kirche gewesen. 1701 starb hier Jakob II., und später wurde das Schloß eine Kaserne und Strafanstalt.[5] Unter Napoleon III. hat man ein prähistorisches und frühgeschichtliches Museum eingerichtet, das im Vorjahr ganz herrlich erneuert und erweitert wurde. Hier sieht man unter anderem den Kopf einer mundlosen (!) weiblichen Statuette, die der Schätzung nach 20.000 Jahre alt ist.[6] Unvergeßlich bleiben einem die Goldschätze aus frühester Zeit. Die römische Periode ist gut vertreten. Die Merowinger und ersten Karolinger sind gerade noch miteingeschlossen. Das Museum allein ist eine Reise von Paris wert.

Vor allem aber sollte uns der Saal XVI interessieren. Am Boden liegt ein römisches, unvollständig erhaltenes, aber wunderschönes Mosaik. Es handelt sich um das große Fragment eines Kalenders. Doch der Saal ist aus ganz anderen Gründen geschichtlich wichtig. Hier wurde am 10. September 1919 der österreichische Friedensvertrag[7] unterzeichnet and damit der Grundstein zum Zweiten Weltkrieg zwar nicht absichtlich, aber doch mit geradezu liebevoller Sorgfalt gelegt. Vielleicht fehlt auch schon deswegen jede Erinnerungstafel. Dieses Dokument und der Vertrag von Trianon mit Ungarn haben vorzüglich die Karte Europas nach dem Ersten Weitkrieg grundlegend verändert – und nicht etwa der Vertrag von Versailles, der freilich nur ein diktierter Waffenstillstand war. Man muß sich vor Augen halten, daß der Erste Weltkrieg, wie Raymond Aron so richtig sagte, den Charakter eines „Zweiten österreichischen Erbfolgekriegs“ hatte,[8] und daß der Zweite Weitkrieg ein dritter in dieser überaus unheilvollen Serie mit globalen Auswirkungen wurde. Hitler, der „den österreichischen Wahnsinn in den Dienst des preußischen Schwertes stellte“ (A. M. Knoll), wurde wahrhaftig, ohne sich dessen bewußt zu werden, zum Rächer von Königgrätz. Er war es, der Preußen auslöschte …

Zwischen einem im Grunde ungeteilten, aber überflüssig gedemütigten Deutschland (der dumm-infame Artikel 231!), das außer dem Elsaß überwiegend Provinzen aus den polnischen Teilungen verloren hatte, und Rußland war eine Schütterzone entstanden. Wie in der Natur gibt es auch in der Politik kein Vakuum der Kräfte. Der französische Traum antideutscher, antihabsburgischer und zugleich auch antisowjetischer Satelliten war von allem Anfang an eine kindische Illusion gewesen, die dem franzosischen Steuerzahler Unsummen kostete. Nur Polen war ein Phönix aus der Asche geschichtlicher Vergangenheit, doch die neuen, völlig unhistorischen Vielvölkerstaaten mit repressiven, sich unsicher fühlenden Herrenvölkern waren so wenig imstande, einen effektiven Widerstand gegen Ost oder West zu leisten wie Rumpfösterreich oder Rumpfungarn. Und Rumänien, dessen Geschichte immerhin bis 1856 zurückreicht und national geschlossener war, kämpfte zuerst auf deutscher, dann auf sowjetischer Serie, was auch nicht im Pariser Programm vorgesehen war.

Diese Balkanisierung war für den Westen, vor allem aber für die unglückseligen, verführten „Nationalitäten“ reiner Selbstmord. Kein Wunder, daß Professor Thomas Garrigue Masaryk von Beruf Weltkapazität für die Psychologie des Selbstmords war.[9] Für den Kenner aber war es keine Überraschung, daß der Erste Weltkrieg zwar als Völkerkrieg begonnen und nach dem Eintritt Amerikas und dem Fall der russischen Monarchie als ideologischer Krieg weitergeführt wurde, dann aber nicht mit der Totalvernichtung Deutschlands, sondern Österreich-Ungarns endete. Das Deutsche Reich galt für den Westen als im Grunde protestantisch, fortschrittlich, modern, als Land nicht unbedeutender demokratischer and sozialistischer Tradition.

In der Donaumonarchie sah man hingegen ein katholisches, rückschrittliches, feudales, reaktionäres Gebilde und vor allen einen Hort der bösen Habsburger – Schatten von Philipp II. und der Armada, der Gegenreformation, der Schlacht am Weißen Berg, von Metternich und dem Leiden italienischer Patrioten im Spielberg. Österreich, irren wir uns nicht, ist nun einmal kein Allerweltsliebling – was meine naiven Kompatrioten immer in Erstaunen versetzt. Es gibt nicht nur eine leyenda negra, die sich auf Spanien, sondern auch eine andere, die sich auf Österreich bezieht.

Hatte nicht schon Gladstone gesagt, daß es keinen Flecken auf der Landkarte gibt, von dem man sagen konnte: „Hier hat Österreich etwas Gutes getan“?[10] Lloyd George hat in aller Wahrscheinlichkeit gesagt, daß man doch die Donaumonarchie (und nicht etwa das evangelische Deutschland) aufteilen müßte, denn sie wäre doch katholisch.[11] Auch in Frankreich verbanden sich alte historische Ressentiments mit ,progressiven“ Vorurteilen. Poincaré notierte am 4. August 1914 in seinem Tagebuch, daß im Ministerrat, als schon die deutschen Armeen nach Paris vorstießen, Clemenceau nur über Österreich sprach und schimpfte.[12] Es war auch der „alte Tiger“ und Kommunarde, ein Hasser ersten Ranges, gewesen, der allen voran den ersten großen Friedensvorstoß Kaiser Karls und seines Schwagers zu Fall brachte.

Ein anderer aber war es, der den zweiten Versuch vereitelte. Verlassen wir für einen Augenblick Saint-Germain und versetzen wir uns nach Kalifornien. Dort, nicht unter dem zartblauen von hauchdünnen Wölkchen besiedelten Impressionistenhimmel Frankreichs, sondern einem azurnen Gewölbe, am Rande von Palo Alto, befindet sich das Hoover-Institut mit seinem einzigartigen ,Archiv für Krieg, Revolution and Frieden“. Hier werden in dreizehn Kisten die Herron-Papers sorgfältig aufgehoben. Wer aber war ihr Autor, dieser George Davis Herron? Dieser Mann, den Romain Rolland einen gigantesque imbécile nannte,[13] war ein kongregationalistischer Pastor aus Montezuma, Indiana gewesen, Professor der Theologie im Grinnell College (Iowa). Er wurde ein glühender Sozialist, heiratete nach einer häßlichen Ehebruchsaffäre, Amtsenthebung und Scheidung eine Tochter der steinreichen, linksdralligen Mrs. Rand, Grianderin der sozialistischen Rand-School in New York, die seine erste Frau mit 50.000 Dollar abfand. Herron, ein fanatischer Pazifist, setzte sich mit seiner kränklichen zweiten Frau nach Italien ab. Und dort kam es zu seiner großen Bekehrung, nicht etwa zur katholischen Kirche, sondern zum Krieg. Seine Begeisterung für den Frieden schmolz dahin, denn dieser Weltkrieg war etwas ganz anderes, noch nie dagewesenes, ein heiliger Krieg für Fortschritt, Freiheit und Demokratie gegen die Unheilige Allianz von Vatikan, Habsburg, Wittenberg, preußischen Junkern und Ruhrmagnaten. (Herron unterschied stets zwischen dem greulichen Luther und dem herrlichen Calvin, wiewohl er wahrscheinlich beide wenig kannte.)

Als dann im Jahre 1917 – er war inzwischen in die Schweiz übergesiedelt – die Erschöpfung aller kriegführenden Parteien einen Kompromißfrieden möglich machte, beschloß der entrüstete „Professor“ (der übrigens nie ein Bakkalaureat bewältigt hatte) zu handeln. Der österreichische und der vatikanische Friedensvorstoß, die Vorbereitungen für die Stockholmer Konferenz der Sozialisten, die Meutereien in der französischen Armee, der Landsdowne-Brief im Daily Telegraph, die Friedensresolution im deutschen Reichstag, des chaotische Regime Kerenskis, das alles gab Europa die Hoffnung, daß das sinnlos gewordene Völkermorden ein Ende nehmen konnte. Anatole France (ständig von Clemenceau mit dem Einsperren bedroht) sagte damals, daß man nun in die amerikanische Phase des Krieges eingetreten war:

„Und dabei fahren Frankreich und Deutschland, die beiden klügsten Völker der Erde, fort, ihre besten Söhne zum Vorteile solcher Wilder abschlachten zu lassen. Denn zweifelt nicht daran: das sind die Sieger, und sie werden der Welt beim Friedensschluß die auf der Schreibmaschine getippten biblischen and kantianischen Träumereien Wilsons aufzwingen. In der einen Hand die Bibel, in der anderen ein Muster Baumwolle.“[14]

Von solchen Erwartungen war jedoch auch Herron beseelt, der früher schon gefürchtet hatte, der Krieg könne schon „vorzeitig“ ein Ende nehmen. Sein Seltenheitswert für die Regierung in Washington lag darin, daß er der einzige bekannte amerikanische Sozialist war, der für die bewaffnete Intervention der USA eintrat. Deshalb veröffentlichte er in London eilig ein Buch mit dem Titel „Die Friedensdrohung“, in dem er schrieb, daß ein Kompromißfrieden „Gottes Herz brechen wurde“ (anscheinend ein Stück Privatoffenbarung!) und ein solcher viel ärger wäre als selbst eine „deutsche Herrschaft“, denn in diesem Falle würden doch „nach langer unheilschwangerer Knechtschaft die Volker irgendeinmal zu kosmischer Intimität and grenzenloser Wahlmöglichkeit gelangen“.[15] Durch diesen bombastischen Schwulst wurde Romain Rolland auf den dichtenden Rufer zum Heiligen Krieg für die Demokratie aufmerksam and nannte ihn einen Riesenhohlkopf.

Herrons Buch begeisterte aber auch einen anderen, nicht minder unheilvollen Narren, den presbyterianischen Pfarrersohn Woodrow Wilson, der schon anno 1914 die Demokratie den Mexikanern in die Knochen schießen wollte und nun über Herrons Schrift helle Jubelschreie ausstieß. Herron wurde sein Informant and seine linke Hand in den Auslandsbeziehungen. (Die rechte Hand war Colonel House, mit dem sich Wilson später verzankte.) Herron blieb im engsten Kontakt mit der amerikanischen Gesandtschaft in Bern (aber auch mit dem Foreign Office in London) und war schließlich der Mann, der die geheime österreichische Friedensdeputation unter der Führung von Heinrich Lammasch im Februar 1918 empfing.

Lammasch, der auch Präsident des Haager Gerichtshofs gewesen war und später letzter k. k. Ministerpräsident wurde, unterrichtete ihn über die Pläne Kaiser Karls, die Monarchie in einen Bundesstaat umzugestalten. Wie uns Herrons Sekretär, der spätere ČSR-Diplomat, Stefan Osuský mitteilte, war „der Professor“ zwar von Lammaschs Bericht sehr beeindruckt, doch am nächsten Tag trat der defrockierte Pastor mannhaft vor den gebrochenen Lammasch und gab ihm einen abschlägigen Bescheid.[16]

Die ganze Nacht hatte der fromme, aber von Herzen so dumme Herron „wie Jakob mit dem Engel gerungen“ und somit einer fürchterlichen Versuchung siegreich widerstanden. Lammaschs Plan würde das Überleben der Habsburgerherrschaft bedeuten, und dann hätte man den ganzen Krieg umsonst geführt. Die verzweifelten Österreicher reisten ab. Wie viele Männer mußten noch in den nächsten neun Monaten sterben – nur damit Adolf Hitler, der unter Habsburg oder Hohenzollern es nicht einmal zum Hofhilfsaquarellisten gebracht hatte, der Weg in die Geschichte buchstäblich freigekämpft und der Zweite Weltkrieg gesichert wurde. Zitieren wir hier noch einmal Anatole France:
„Der Kaiser Karl hat einen aufrichtigen Willen zum Frieden, darum haßt ihn auch ein jeder. Ribot ist ein alter Schurke, diese Gelegenheit versäumt zu haben. Ein König von Frankreich, jawohl, ein König hätte Erbarmen mit unserem armen Volk gehabt, weißgeblutet, erschöpft, am Ende seiner Kräfte, aber die Demokratie ist ohne Herz und inneres Gefühl. Ein Sklave der Geldmächte ist sie erbarmungslos und unmenschlich.“[17]

Wenn man die Herron-Papers durchliest, erhalt man das Bild eines durch die zeitbedingten „fortschrittlichen“ Ideen völlig verwirrten, aber wahrscheinlich dennoch idealistischen Schwätzers, der hie and da auch lichte Momente intuitiver Erkenntnisse hatte. Nur kamen sie leider zu spät. Man muß sich ihn einmal so richtig vorstellen: In seinen vorgerückten Jahren die Karikatur eines Professors mit Zwicker, Matratzenbart und vibrierend verboser Predigerstimme.[18]
Wenn nicht das alles so traurig wäre, müßte man bei vielen seiner Schilderungen als auch bei der Lektüre seiner Gedichte laut auflachen. Wie Marx and Hitler war auch er ein frustrierter Künstler. Allein die poetische Beschreibung seiner zweiten Hochzeit, im Rahmen der „ethischen Gesellschaft“ von New York zelebriert, ist in ihrem antiquierten Pathos urkomisch.[19]

Seine Berichte über die Zusammenkünfte mit so vielen Männern (manche wirklich von Rang), die den Namen des mysteriösen Professors in der Schweiz flüsternd als Geheimtip weitergaben sind erschütternd (einer davon war F. W. Foerster[20]). Für so manche war er eine „letzte Hoffnung“. Dieser Umstand allein ist tragisch.

Der Fehlschlag in der Schweiz bahnte den Weg nach Saint-Germain. Steil and unerbittlich wie in einem griechischen Drama vollzog sich das Unheil. Die österreichische Delegation wurde in einem schäbigen Hotel gefangengehalten, zwar nicht wie Schwerverbrecher, sondern eher wie ein Haufen schmieriger Gelegenheitsdiebe, kleiner Ganoven und Bauernfänger. Sie wurde von Dr. Karl Renner (alias Springer) geführt, aber auch Dr. Lammasch befand sich in ihrer Mitte. Die Delegierten hatten nicht genug Devisen, die Franzosen verlangten für ihre Verköstigung Räuberpreise, und so hungerten sie stramm. Jedesmal wurden sie unter militärischer Bewachung zum Verhandlungssaal und dann wieder zurückgebracht. In Wirklichkeit wurde gar nicht verhandelt. Unseren Vertretern wurde lediglich in einem Anfall von Großmut gestattet, „Bemerkungen zu machen“. (Talleyrand war in Wien wohl anders aufgenommen wurden.)
Doktor Renner war kein Brockdorff-Rantzau, der im Spiegelsaal von Versailles ohne sich zu erheben den ganzen Zoo der Vertreter der Siegermächte anschnauzte und dann stracks nach Hause fuhr, Hungerblockade hin, Hungerblockade her. Er hat zumindest sein Land nicht erniedrigen lassen.[21]
Wie hatte doch Fénelon in seinen Anleitungen für das Gewissen eines Königs gesagt?

„Friedensvertrage sind nichts wert, wenn Sie der Stärkere sind und ihren Nachbar zwingen, einen Vertrag zu unterschreiben, nur um noch größeres Übel zu verhindern; dann unterschreibt er wie ein Mann, der seine Börse einem Räuber gibt, nur weil ihm dieser eine Pistole an die Kehle drückt.[22]

Das war eine Sprache, die vielleicht ein König, aber kein Clemenceau oder Lloyd George verstand. Die Deutschen, die Herren Müller und Bell, unterschrieben schließlich, denn im Reich wäre man verhungert. Die Signatur erfolgte am 28. Juni 1919, am fünften [Jahres]Tag des Sarajewo-Mordes. Dennoch glauben naive Gemüter, daß Verbrechen sich nicht bezahlt machen. Sie vergessen, daß wir im Zeitalter der Salami leben, die in ihrer klassischen Zusammensetzung halb Esel and halb Schwein ist.

Der „Doktor Karl“, ein Mährer, aber kein Mehrer des Reichs,[23] versuchte diplomatischer als der Graf aus Holstein zu sein and sich bei den Alliierten Liebkind zu machen. Da sprach der Demokrat zu Demokraten, was erst recht in den Eimer ging. Er bekräftigte die Kriegsschuld der „früheren Machthaber“ und denunzierte die alte Monarchie mit ihren „reaktionären Traditionen“ als „Volkerkerker“. Diese Würdelosigkeit machte sich jedoch keineswegs bezahlt, und die Demütigung war komplett. Doch in einem anderen Buch: „Die Niederlage im Sieg“, das fünf Jahre später erschien, beweinte ein nunmehr völlig disillusionierter Herron die elende Behandlung der Osterreicher.

„Der verewigte Lammasch“, schrieb er, „der 25 Jahre hindurch ein Apostel der internationalen Gerechtigkeit war, und dessen Schuhriemen seine Kerkermeister nicht würdig gewesen wären zu lösen, konnte nicht einmal mit seinen Pariser Freunden in Verbindung treten.“[24]

Aussätzige verdienen eben keine menschlichen Kontakte. Herron hatte in Wilson einen wahrhaftigen Messias für die ganze Menschheit gesehen, was den Präsidenten ungemein schmeichelte. Von Wilson in Paris hatte jedoch Ben Hecht gesagt: „Er war wie eine Jungfrau mit langem Gesicht, die in ein Bordell geraten ist, dort auf den Tisch haut und mit lauter Stimme ein Glas Limonade bestellt.“ Zwar war Wilson Rektor der Princeton Universität und dort selbst Professor der Staatswissenschaften gewesen, aber seine Rassenvorurteile waren beträchtlich, seine geschichtlichen Kenntnisse gering and seine geographischen gleich Null.[25] So verwechselte er Kilikien mit Schlesien. Die Italiener zeigten ihm eine eigens präparierte Spezialkarte der Alpenregion, auf der die Dreiherrenspitze an der Grenze Südtirols und Salzburgs als Vetta d’Italia eingetragen war. Auf diesen Taschenspielertrick fiel der große Gelehrte glatt herein. Wilson hatte sich übrigens von Masaryk (wahrscheinlich recht bereitwillig) überzeugen lassen, daß nicht etwa Deutschland, sondern Österreich der Hauptschuldige am Weltkrieg war.[26] Man folgte also Beneschs Aufruf: „Zerstöret Osterreich-Ungarn!“[27]

Waren nun der Vertrag von Saint-Germain and sein brutales ungarisches Gegenstück vom Trianon tatsächlich die Grundlagen des ,Dritten österreichischen Erbfolgekriegs“? Churchill war davon überzeugt. So schrieb er in seiner „Geschichte des Zweiten Weltkriegs“ in einer langen Passage, in der er auch bedauerte, daß man im Reich nicht den Enkel des Kaisers unter einer Regentschaft eingesetzt hatte, um ein schweres Trauma zu verhindern:
„Die Balkanisierung Südost-Europas förderte die weitere Ausdehnung Preußens und des Deutschen Reichs … Es gibt kein Volk oder Land des einstigen Habsburgerreichs, dem nicht seine Unabhängigkeit Folterungen and Qualen gebracht hat, die einst die Dichter der Vergangenheit und die Theologen als Los der Verdammten betrachtet haben.“[28]

Nun konnte man sagen, daß diese Feststellungen rückschauend gemacht wurden, und in der Rückschau zu weissagen, sei keine Kunst. Da existierte doch als ewige Sicherung der Völkerbund, dieser „Traum einer Tippmamsell vom Heiligen Römischen Reich“ wie sich Sir Compton Mackenzie spöttisch ausdruckte – natürlich in Genf, der Stadt des Calvin and Rousseau, wie es Herron dem Präsidenten mit diesem zwingenden Argument eingeredet hatte.[29] Doch gerade Herron stand den ,Friedensverträgen“ fassungslos gegenüber. Er hatte sie zwar vorbereitet, aber nicht gewollt, zumindestens nicht so gewollt. Verkleinern wir aber nicht seine Schuld: Wilson und der Kongreß hatten anfänglich nur dem Deutschen Reich den Krieg erklärt, nicht aber Österreich-Ungarn. Das hatte Herron keine Ruhe gelassen und deshalb hielt er in der Pariser amerikanischen Botschaft einen Vortrag, in dem er die Notwendigkeit einer amerikanischen Kriegserklärung an die Donaumonarchie mit überzeugenden Worten sprach. Wilson gehorchte fast augenblicklich.[30]

Doch in einem Buch, Umsturz und Aufbau, das 1920 in deutscher Übersetzung erschien, schrieb unser idealistischer Kriegshetzer:
„Aus solchen Frieden können Kriege erstehen – geistige, wie wirkliche Kriege -, die zu den schlimmsten gehören. die die Welt gesehen hat, so daß wir einem Menschenalter von Mord und Totschlag, wenn nicht einem Jahrhundert tartarischer Tortur entgegen sehen sollten.“[31]

Präziser hätte diese Prophezeiung kaum sein können![32] Wie aber endete der sozialistische Pazifist Herron, der einmal auch erklärt hatte: „Der Kapitalismus, das ist die Bestie in uns!“? Er starb in München im Oktober 1925 als großer Bewunderer and Propagandist Mussolinis. Man vergesse da aber nicht: die Liktorenbündel sind nicht nur Symbole des Faschismus, sondern auch – siehe Frankreich und die USA – der Republik.[33] Woher diese Wandlung? Vielleicht der Einfluß seines sehr innigen Freundes Robert(o) Michels, der sich vom deutschen Sozialdemokraten zum italienischen Faschisten entwickelt hatte.

Es gab aber auch Leute, die die faktische Lage nicht seherisch, sondern kühl rational erfaßten. Dazu gehörten allerdings nicht Lloyd George (der später sich mit kindischem Enthusiasmus für Hitler einsetzte), nicht Clemenceau, wohl aber John Maynard Keynes, der britische Nationalökonom, der schon 1919 über die Vertrage schrieb, man könne den „karthaginischen Frieden“ nicht durchführen
„ohne in der Struktur Europas solche Spannungen herbeizuführen, solche menschliche and seelische Kräfte loszulassen, die, über alle Grenzen und Völkerschaften hinaus, nicht nur euch and eure [berühmten] Garantien, sondern auch eure Einrichtungen und die jetzige Ordnung der Gesellschaft vernichten werden.“[34]

Mehr im Sinne der Geopolitik argumentierte jedoch Professor Fritz Kornemann in seiner Breslauer Rektoratsrede 1926, in der er die Friedensschlüsse verurteilte, vom Ende der Doppeladlerstaaten (Österreich und Rußland) sprach, dann aber mit den Worten schloß:
„Wir müssen uns aber über eins freuen, daß wir trotz aller Beraubung und Verstümmelung unseres Reiches unter dem nach der neuen Idee mit geschlossenem Volkstum gebildeten Staaten das zahlenmäßig stärkste Reichsgebilde Mitteleuropas geblieben sind. Nützen wir diese Situation, die die von unseren Gegnern gewollte Balkanisierung and politische Atomisierung Europas geschaffen hat, tüchtig aus.“[35]

Diese wurde dann auch wirklich tüchtig ausgenutzt. „Zwischeneuropa“ wäre jedenfalls auf die Dauer wenn nicht Berlin, dann Moskau zum Opfer gefallen, denn von Paris aus war es nicht zu verteidigen. Das faßte man im Kreml von allem Anfang an ins Auge. Dieser Drohung aber positiv und aufbauend entgegenzuarbeiten war weder die Weimarer Republik noch auch der ,böhmische Gefreite“ imstande gewesen.[36] Die „neue Idee“ vom geschlossenen Nationalstaat feierte aber erst nach 1945 mit ihren Massenvertreibungen[37] ihre ganz großen Triumphe.

Doch da sind wir immer noch im Saal XVI des Musée Préhistorique et Antique. Nichts erinnert den Besucher unmittelbar daran, daß hier nicht nur ein Land, sondern eine ganze Ordnung zu Grabe getragen wurde, daß hier etwas Böses geschah, das mit seinen Auswirkungen den letzten Reisbauer Indochinas, den Tankwart auf der Landstraße in Arizona, den Beduinen am Toten Meer, den jüdischen Bankbeamten in Amsterdam berührte. Der „Völkerkerker“ des kleinkarierten Doktor Karl? Man denke da an die Leiden so mancher Österreicher in Dachau nach dem Anschluß, für den der edle Signatar von Saint-Germain im April 1938 so enthusiastisch das Ja-Wort forderte, an die gegenwärtige Glückseligkeit der Tschechen, Slowaken, Kroaten, Bosniaken, Sudpolen, Siebenbürger, Magyaren, Ukrainer, die der prison des nations so schön entronnen sind, dann vergeht einem der Humor.

Woodrow Wilson ist natürlich längst tot. Ihn bedrückte nicht mehr das Leiden der revoltierenden Südtiroler Burschen aus Pfunders, die jahrelang in den Gefängnissen Piemonts und der Lombardei schmachteten. Was einmal war, ist in einem gewissen Sinn für immer, zieht stets weitere, tolle, furchtbare Kreise wie ein Stein, der in einen Teich geworfen wird. ,,Von der Geschichte gibt es keinen Urlaub“, hatte einmal de Gaulle gesagt. Und auch keine Flucht. Auch der moderne Mensch, der so betont geschichtsfeindlich ist und von der Vergangenheit nichts wissen will, kann seinem Schicksal dennoch nicht entrinnen. Das gilt höchst augenscheinlich für Irland als auch für die Donauländer und den Rest der Welt. Ein Abgrund ruft den anderen. Wann wird wohl dieser üble Zauberkreis gebrochen werden?

Man blickt durch das Fenster und sieht auf der Terrasse die Ausflügler lustwandeln. Eine Mutter mit einem Kind an der Hand blickt herauf. Sieht sie mich? Sieht sie überhaupt das Fenster und weiß sie, was dahinter einmal geschah?

Hier im Saal ist es jetzt still. Kein Besucher, kein Wächter geht herum. Das römische Kalendermosaik am Boden zeigt Monate und Jahreszeiten, darunter auch ein Symbol des Winters. Dieses stellt eine Frau dar, die auf einem struppigen Tier reitet. Es ist aber nicht die Jungfrau Europa auf einem Stier, die unseren Erdteil verkörpert, sondern ein altes Weiblein, vielleicht sogar eine Hexe, auf einer Wildsau. Für diese triste Örtlichkeit völlig angemessen.
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Fussnoten:

  1. Eine glänzende Schilderung der Jakobiten in England vor dem Ersten Weltkrieg gibt uns Compton MacKenzie in seinem Eastwind of Love (Rich & Cowan: London 1937).
  2. Diese naiven Handlungen, die uns entsetzten, waren jedoch überall im Schwang. Der heiligen Elisabeth schnitt man die Brustwarzen ab (Historisches Jahrbuch der Görresgesellschaft, Bd. 28, S. 887) und der heilige Thomas von Aquin wurde nach seinem Tod gleich gekocht and bis auf die Gebeine verteilt. (Historia translationis corporis SSi Ecclesiae doctoris divi Thomas v. Raymundus Hugo OP, in Acta Sanctorum, Martii 1, S. 725. Das wird Professor Küng nach seinem Ableben kaum passieren.)
  3. Die Wahrscheinlichkeit, daß Alexander I. in Taganrog nicht starb, sondern als Starjetz Fedor Kusmitsch zur Buße durch sein Land wanderte, ist äußerst groß. Vgl. die Arbeiten von Leonid Strachowskij, Leo Kobylinski-Ellis, Nikolai Sementowskij-Kurilo, Maurice Paleologue, Leon Lubimoff etc. Der Sarg des Kaisers in Petersburg, von den Bolschewiken geöffnet, war leer.
  4. Verbrämungen = Ränder. MM
  5. Natürlich in demokratischen Zeiten, in denen dort, wo ehedem gelebt, geglaubt und gebetet wurde, nun vegetiert und „gestraft“ wurde. MM
  6. Ob das wohl stimmen mag …? MM
  7. KL meint die rechtswidrige Zwangsauflösung der Habsburger Monarchie. MM
  8. Siehe Raymond Aron Le Grand Schisme (Gallimard: Paris 1948), S. 331. Derselben Meinung ist auch Golo Mann, siehe seine Geschichten and Geschichte (S. Fischer. Frankfurt a. M. 1961), S. 162-163.
  9. Siehe sein: Der Selbstmord als soziale Massenerscheinung der modernen Zivilisation (Konegen. Wien 1881). Sein Sohn Jan diente wahrend des Ersten Weltkriegs als Rittmeister in einem Husarenregiment. Nie ließ man eine Bemerkung über seinen Vater fallen. Siehe Indro Montanelli: La sua insomnia si chiama Gottwald. In Nuevo Corriere della Sera, 11. März 1948, S. 61.
  10. Wahlrede am 17. März 1880 in Edinburgh.
  11. Ich schrieb Anfang 1936 dem Führer der liberalen Partei einen Brief, in dem ich fragte, ob er diesen Ausspruch tatsachlich getan hatte. Ich bekam daraufhin eine Antwort von seiner Sekretärin, die er später heiratete, und in der mir mitgeteilt wurde, der Rt. Hon. David Lloyd George sei von seiner Arbeit derartig überlastet, daß er leider keine Zeit hatte, mein Schreiben zu erwidern. Das genügte mir damals wie auch heute. Aus dem Tagebuch Lord Riddells wissen wir von dem fanatischen Haß Lloyd Georges auf die Polen (der noch im Oktober 1939 Haßtiraden auf Polen im Unterhaus losließ!). Mit seiner ehrlichen Begeisterung für Hitler (siehe AP-Meldung vom 21. September 1936) verband sich eine fast ebenso große Begeisterung für die spanische Republik und ein infernalischer Haß auf Franco, den auch Hitler nicht ausstehen konnte. Darüber von Virginia Cowles befragt, antwortete der große Mann, ein typischer walisischer Methodist, mit Augenzwinkern: „Warum? Ich nehme immer eine Kampfstellung gegen die Priester ein.“ Siehe ihr Buch, „Looking for Trouble“ (Hamish Hamilton: London 1941), S. 107.
  12. Siehe: Mémoires de Poincaré. Bd. 3: L’Invasion (Plon: Paris 1924),.S. 21.
  13. Romain Rolland: Pages inédits du Journal de Guerre (1917)“ in „La Table Ronde“ (Dezember 1954), No. 84, S. 113. (Basel, 11. März 1917).
  14. Zitiert von René Schickele, „Die Grenze“ (Rowohlt: Berlin 1932), S. 145.
  15. siehe sein „The Menace of Peace“ (Allen & Unwin: London 1917), S. 9-10.
  16. Diese Details bekommen wir von Dr. Stefan Osuský, „George D. Herron, do vernik Wilsonov pocas vojny“ (Pokorny: Preßburg 1925), S. 48-53. Osuský war jahrelang tschechoslowakischer Gesandter in Paris, enthüllte aber nach dem 2. Weltkrieg die Geheimverhandlungen von Benesch mit Berlin. Als junger Mann und amerikanischer Staatsbürger slowakischer Abstammung war er ein Adlatus and Vertrauter Herrons gewesen. Er starb in den Vereinigten Staaten, wo ich mit ihm korrespondierte.
  17. Zitiert von Sir Charles Petrie: Twenty Years Armistice and After (Eyre and Spottiswoode: London 1940), S. 12.
  18. Walter Lippmann (der ihn kannte) schrieb mir von Herron, er wäre ein „kleiner Mann“ mit messianischen Komplexen gewesen, ähnlich äußerte sich Norman Thomas, der ,ewige“ sozialistische Präsidentschaftskandidat. Sehr richtig wurde er auch von Heinrich Benedikt in seinem „Die Friedensaktion der Meinl-Gruppe 1917-1918“ (Böhlau: Graz 1962), S. 144 eingeschätzt.
  19. siehe „A Socialist Wedding“ (being the account of the marriage of George D. Herron with Carrie Rand) (Knickerbocker Press: New York o. D.). Mindestens zum Teil von ihm geschrieben! Sein Stil war einzigartig. Seine Dichtkunst ersieht man in „A Lovers’ Memorial and Related Earlier Poems“ (Horseshoe: Bristol 1925). Hier auch ein Altersporträt. Über den Eheskandal, der Herron zur Emigration nach Italien zwang, siehe Philip M. Crane: The Democrat’s Dilemma (Regnery: Chicago 1964), S. 64.
  20. Vgl. Friedrich Wilhelm Foerster: Erlebte Weltgeschichte 1869-1953 (Glock & Lutz: Nürnberg 1953), S. 195.
  21. Folgende Konversation fand zwischen Sir Rosslyn Wemyss, Admiral, Mitglied des Kriegs-Kabinetts und Herbert Hoover statt. Wemyss: „Junger Mann, ich verstehe nicht, warum ihr Amerikaner diese Deutschen füttern wollt.“ Hoover: „Alter Knabe, ich verstehe nicht, wie ihr Briten Frauen und Kinder zu Tode hungern wollt, nachdem sie nun einmal besiegt wurden.“ In „Memoirs of Herbert Hoover“ (Macmillan: New York 1931), Bd. 1, S. 395.
  22. Siehe seine Direction pour la conscience d’un Roi. In: Oeuvres, (Paris 1787), Bd. 25, 3. Teil, S. 489.
  23. Dieser so äußerst wendige Mann figuriert auf nicht weniger als 17 Gedenkmarken der Zweiten Österreichischen Republik. Anscheinend ist er unser Idealvorbild.
  24. Siehe G. D. Herron: The Defeat in Victory (Christopher, Boston 1924), S. 53. Der Ausdruck sainted, den Herron öfters verwendet, kann sowohl „verewigt“ als , heiligmäßig“ bedeuten.
  25. Wilson bedauerte die Einwanderung ruheloser, anarchischer Elemente aus Europa (die dirty-white immigration). Siehe seinen Artikel ,The Character of Democracy in the United States“ („Atlantic Monthly“, 1889). Andererseits wollte er nicht den Anschluß Restösterreichs, denn das würde die katholische Kirche in Deutschland stärken. Siehe: Letters of Franklin K. Lande (Houghton-Mifflin: Boston 1922), S. 237. Er war and blieb der kleine fromme Sektierer aus dem Süden.
  26. vgl. Th. G. Masaryk: The Making of a State (Stokes: New York 1927), wo der Autor (S. 309) ganz richtig sagt, daß die amerikanische Demokratie und die Demokratie im Allgemeinen das Habsburgerreich vernichtet hat.
  27. Das Buch „Détruisez I’Autriche-Hongrie“ von E. Benesch erschien 1916 in Paris, aber die französische Zensur strich die Karten auf der Seite 62, was dort ausdrücklich erwähnt wird. Noch gab man dem Irrsinn nicht überall nach.
  28. Siehe W. S. Churchill: The Second World War (Cassell: London, 1948), Vd. 1. S. 8, 9. Vgl. auch mit Lord Moran, Winston Churchill (Constable: London 1966), S. 352.
  29. Herron lehnte Luther völlig ab, umso größer war seine Verehrung für Calvin and Rousseau, wobei Amerikas Drama darin besteht, daß der eine Jean aus Genf den anderen Jean abgelost hat. Herrons Schreiben an Wilson ist im Band XII der Herron-Papers, Dokument VII a. (Brief vom 20. März 1919). Nur Jerusalem, meinte er, könnte Genf ersetzen!
  30. Siehe Heinrich Benedikt, Op. cit. S. 146.
  31. Siehe George D. Herron: Umsturz and Aufbau. Der Pariser Frieden and die Jugend Europas (Rowohlt: Berlin 1920), S. 8.
  32. Kein Wunder, stammte sie doch von einem der „Eingeweihtesten der Eingeweihten“. MM
  33. über das Liktorenbündel im ersten Wappen der Sowjetrepublik vgl. Dietrich Grille.
  34. Siehe J. M. Keynes: The Economic Consequences of the Peace 1919 (Harcourt-Brace: New York 1920), s. 36-37.
  35. Siehe Ernst Kornemann: Vom Antiken Statt, Breslauer Rektoratsreden. Heft 1. (F. Hirt: Breslau 1927), p. 35. (Rede gehalten am 15. X. 1926).
  36. Ja, wie auch??? MM
  37. Man muß wohl eher sagen Massenausmordungen der Deutschen. MM

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