Die amerikanischen Frauen

Die amerikanischen Frauen – Analyse einer Revolte

Erik von Kuehnelt-Leddihn
In Criticón 84, 1984

Nordamerika ist eine Großinsel, von Weltmeeren umspült, ein Kontinent hausgemachter Mythen, die erst selbst geglaubt und dann erfolgreich exportiert werden – zum Beispiel der Mythos einer egalitären, nicht idealistischen und vom Geld beherrschten Gesellschaft. Nach einigen Monaten zerpflückt der Einwanderer diesen Mythos. Andere Mythen leisten jedoch hartnäckigen Widerstand. „We are all living in a matriarchy,“ jammern fast alle amerikanischen Männer, und dieses Märchen betet man bei uns nach. Daher können sich auch die wenigsten die stürmische, ja hysterische amerikanische Frauenrevolte dieser Jahre, diesen wilden Protest gegen „patriarchale Unterdrückung“, den male chauvinism, erklären. Die Revolte hat unheimliche Formen angenommen. Oft von Lesbierinnen geleitet predigt sie den Männerhaß. Eine ihrer erstaunlichsten Blüten ist die Organisation SCUM. (Abkürzung für Society for Cutting Up Men, „Gesellschaft für die Zerfleischung der Männer“). Die Befürworter des Verfassungsartikels ERA, des Equal Rights Amendment, wollen hingegen nur erreichen, daß die Frauen in allen Berufen vollwertige und zahlenmäßig möglichst paritätische Anstellungen bekommen.
Die Ghettoisierung der Frau

Für diesen Aufstand gibt es eine Reihe sehr realer Gründe, die zum großen Teil in einem nordeuropäischen, zumeist spezifisch britischen Erbe zu finden sind. Tatsächlich sind die Frauen Amerikas rechtlich völlig gleichberechtigt, aber „existentiell“ in einer nicht zufriedenstellenden Lage. Johanna Schopenhauer, die Mutter des Philosophen, die von Danzig und Hamburg kommend 1806-07 England und Schottland bereiste, fand schon damals, daß sie äußerst zuvorkommend behandelt, aber als Frau nie ernst genommen wurde. Dr. Benjamin Rush, einer der Gründerväter der USA, der vor der Französischen Revolution Europa bereiste, war über die führende Stellung der Frauen in Frankreich im Vergleich zu England völlig verblüfft. Ich verbrachte Jahre in England und war über die Unbildung der Frauen in den höchsten Schichten entsetzt.

Meine österreichische Frau, die 9 Jahre mit mir in den USA verbrachte, hatte stets den Eindruck. daß sie qua Frau mit einem Fuß auf dem Piedestal [1] und mit dem anderen im Schlamm stand. Der Amerikaner Randolph Bourne schrieb 1913, daß die Frauen in Amerika eine künstliche Position innehaben, halb hochverehrt und halb verachtet sind. Tatsache ist es, daß die Frauen, obwohl sie zunehmend berufstätig sind, in Amerika in einem riesigen Ghetto leben, in dem sie eine absolute Herrschaft ausüben und in dem die Männer nur als Gäste toleriert werden. Daher auch das Trugbild des Matriarchats. Doch außerhalb dieses Ghettos, in den drei Schlüsselstellungen von Politik, Geschäft und Sport zählen die Frauen trotz einiger Ausnahmen kaum. Die Wurzel der großen Unzufriedenheit hat zwar mit dieser Isolierung der Frau zu tun, liegt aber noch tiefer, und zwar im Umstand, daß amerikanische Männer sich in bestimmte Frauen erotisch verlieben und sie auch sexuell begehren, aber Frauen im allgemeinen nicht mögen. Das ist sicherlich viel mehr kulturell als biologisch bedingt, wie zum Teil auch die Homosexualität, die in Hellas Mode war und künstlich gezüchtet wurde.

Nun haben wir das klassische Beispiel von André Gide, der homosexuell, aber heteroerotisch war – das Drama seiner Ehe! Von einer gewissen Warte aus gesehen ist dies in Amerika umgekehrt: dort gibt es feste Männerfreundschaften, aber selten Freundschaften zwischen den Geschlechtern. Ehen sind dort erotisch-sexuell bedingt und selten wird dabei die Frage gestellt: „Kann dieser Mensch mein Freund auf Lebenszeit sein?“ In meinem Wälzer Das Rätsel Liebe habe ich das größte Kapitel Freundschaften zwischen Männern und Frauen gewidmet. Die Liste dieser berühmt gewordenen Freundschaften (oft zugegebenermaßen auch amities amoureuses) erscheint geographisch auf einem breiten Band, das sich durch die Mitte unseres Erdteils von Frankreich über das Herz Europas und Polen nach Rußland zieht. Im Norden haben wir puritanische, im Süden islamische Einflüsse, wobei aber auch bemerkt werden muß, daß sich diese mann-weiblichen Freundschaften auf die „gebildeten Schichten“ beschränkt, die einen Ideenaustausch pflegen können.

Simone de Beauvoir, die das Elend der amerikanischen Frauen bald entdeckte, fand heraus, daß drüben oft nicht einmal Ehepaare Freunde sind, Männer und Frauen in völlig verschiedenen Welten leben und der Mann seinen Beruf mit all den Berufsgeheimnissen für sich behält. „Männer und Frauen lieben sich (dort) nicht“, schrieb sie ohne Umschweife. Daher auch das blühende, von England übernommene Klub- und Vereinswesen, bei dem für Männer nicht nur echte Clubs, sondern auch die verschiedensten Vereinigungen, von den Old Fellows bis zu den Freimaurern hinauf den Zweck verfolgen, unter sich zu sein und der weiblichen Kontrolle im matriarchalen Ghetto zu entkommen. Ja, die besten alten Universitäten der sogenannten Ivy League blieben bis nach dem Zweiten Weltkrieg den Frauen verschlossen. Diese hatten ihre eigenen! Es gab sogar medizinische Hochschulen nur für Frauen. Und so kann man auch die einleitenden Worte in einem Artikel des Reader’s Digest (Mit Millionenauflage) verstehen: „Wie wir ja alle wissen, haben sich Männer und Frauen einander eigentlich nichts zu sagen!“ Doch schon vor mehr als 140 Jahren hatte Frances Trollope von der „Flucht des Mannes“ in Amerika berichtet.

„Koedukation“ wurde in Amerika von den oberen Schichten in diesem doch sehr aristokratischen Land lange abgelehnt, aber die gemischte Schule im voruniversitären Stadium ist für die fruchtbare Beziehung zwischen den Geschlechtern auch nicht ideal, denn die Mädchen sind viel reifer als die Knaben. Das unmittelbare Resultat ist „Kälberliebe“ zwischen Adoleszenten, und später heiratet man nur zu oft die „College-Liebe“, also einen gleichaltrigen Partner. Um das Übel zu vergrößern ist der Begriff teacher in Amerika feminini generis geworden und der Jüngling steht dann unter dreifacher weiblicher Herrschaft: der Lehrerin, des girl friend und der Mutter im Hause, in dem der Vater nur mehr wenig Autorität besitzt.

So sprießt dann auch das zarte Pflänzlein der Misogynie[2]. Diese weibliche Herrschaft wird aber nicht offen angegriffen: mutlos flieht man vor ihr, beraubt aber dadurch die Frauen der männlichen Freundschaft und Kameradschaft. (Hie und da rächt sich die Frau auch durch kleine Bosheiten.) Das Alibi für diese Flucht ist das sicherlich sehr harte Berufsleben, aber die Frau wird in eine reine Frauenwelt zurückgeworfen, wird auf problematische Frauenfreundschaften beschränkt und lebt dann bis zum Abend und oft darüber hinaus ausschließlich ein Frauenleben. Sie geht in Frauenklubs und bescheidet sich mit Hen-Parties, über die Sigrid Undset so entsetzt war. Nachdem das Mädchen in der Schule und im College in einer höchst romantischen Welt der Liebe und der Liebeleien gelebt hat, kommt in der Ehe die Ernüchterung. Dad hat seine Kumpane (cronies), Mom ihren Bridge, die Wohltätigkeit, Kirche und Kultur. Sie ist es, die schöngeistige Literatur (fiction!) liest, Ausstellungen und Vorträge besucht. Die Männer haben sich mit „ernsteren Dingen“ zu beschäftigen.

Die Flucht der Männer nimmt oft groteske Formen an. Eine große Fluggesellschaft hat noch vor 15 Jahren Flüge zwischen San Francisco und Los Angeles For Gentlemen Only organisiert. Nach dem Dinner bleiben die Herren noch beisammen, aber nicht nur 20 Minuten wie in England, sondern bis zum bitteren Ende, während die Damen gelangweilt unter sich bleiben müssen. Vor acht Jahren war ich Ehrengast bei einem Dinner in der Residenz des Gouverneurs eines Südstaats. Nachdem die Tafel aufgehoben war, wurden die Damen hinauskomplimentiert, und man traf sich erst wieder, als man das Haus verließ. Welch’ Unterschied zu einem salon littéraire oder einem salon politique in Paris, die beide ohne weiblichen Katalysator ganz undenkbar wären.

Was da fehlt, ist unter anderem das Erlebnis der Renaissance mit der großen geistigen weiblichen Emanzipation. Der im Grunde höchst konservative Amerikaner, der nur das, was er schon kennt, in einer „größeren und besseren“ Ausgabe haben möchte, ist dem wahrhaft Neuen abhold. Er ist, wie der Mensch aus dem europäischen Norden, dem Mittelalter verhaftet geblieben, was auch Everett Dean Martin und D. H. Lawrence (der lange in Amerika gelebt hatte) kommentierten. Die Reformation war eine bewußt konservative Revolution gegen die „modernistische“ Renaissance gewesen.
Anatomie ist Schicksal

Es liegt auf der Hand, daß die mangelnde Mitteilsamkeit zwischen den Geschlechtern sich auf die Ehen auswirkt, die, um „erfüllt“ zu sein, ein stetes Nehmen und Geben brauchen. (Simone de Beauvoir verwies auf die Schweigsamkeit der amerikanischen Männer, die eine Freundschaft in der Ehe sehr erschwert.) Diese „Erfüllung“ ist das Kardinalproblem. Professor Page Smith hat gesagt, daß die amerikanische Ehe im 19. Jahrhundert durch hipocrisy, im 20. Jahrhundert aber durch hysteria gekennzeichnet ist. Kein Zweifel, denn fulfillment und self-realization sind in Amerika modische Zauberworte geworden – und die Erfüllung oder gar die Selbstverwirklichung in der Ehe bleiben dabei oft aus. Das Resultat ist Verzweiflung, die oft zur Scheidung führt. Das alles erinnert an das Problem Strindbergs, der von einer Ehe in die andere taumelnd zur absoluten Misogynie gelangte, weil er von den Frauen männliche Qualitäten erwartete. Aber die Geschlechter sind nun einmal verschieden, was kurioserweise die Amerikaner wohl wissen, aber dennoch nicht wahrhaben wollen. Darin treffen sie sich mit den Feministinnen, die naiv glauben, die Unterschiede wären lediglich „kulturell“, also künstlich geschaffen und keineswegs biologisch bedingt. Also können sie durch Gesetze oder „Erziehung“ abgeschafft werden. Da wirkt sich dann der typisch amerikanische „juristische“ Aberglaube verheerend aus. Man ändere die Verfassung, und alles kommt ins Lot!

Sigmund Freuds „Anatomie ist Schicksal“ kommt der tragischen Wahrheit viel näher. Gerade die modernste biologische Forschung, zum Teil durch den Feminismus angeregt, hat in den letzten 30 Jahren immer weitere Geschlechtsunterschiede festgestellt, wie z. B. das männliche „Y“ im 46. Chromosom oder die größere Durchblutung der linken weiblichen Hirnhälfte. Doch muß im selben Atem zugegeben werden, daß die Geschlechterbegabungen nur im statistischen Mittel verschieden sind.

Frauen sind anders als Männer, hauptsächlich „von Natur her“; sie sind redseliger, gewandter in der Erlernung von Fremdsprachen, intuitiver, aber auch verwundbarer. Sie sind wahrscheinlich im Schnitt unglücklicher und schwerer zufriedenzustellen als die Männer. Dazu macht die Gefallsucht die Frauen von der Umwelt schmerzlich abhängig. (Sie sind nicht eitel: Eitelkeit ist eine Männerschwäche.) Aber gerade echte Liebe (und nicht virtuoser Sex), Freundschaft und Bewunderung bekommen sie drüben von den Männern in ungenügendem Ausmaß. Diesen gehen die Frauen mit ihren spezifisch weiblichen Eigenschaften „auf die Nerven“. Umgekehrt werden die Männer in Amerika von den Frauen gut „manipuliert“ – aber nicht verstanden. Das Resultat sind „ungeliebte Frauen“, die nicht nur Simone de Beauvoir, sondern auch Maurice Sachs aufgefallen sind. In Europa verheiratete amerikanische Frauen sind oft sehr glücklich, der umgekehrte Fall ist seltener, denn obwohl Frauen in Amerika von den finanziell großzügigen Männern „auf den Händen getragen werden“, teilen sie nicht wirklich deren Leben und bleiben manchmal deren little woman. Im durchschnittlichen Amerikanertum wird die eheliche Treue zwar äußerst hoch eingeschätzt, aber diese ist in der Regel eine körperliche Treue. (Die Treue aber gehört ihrem Wesen nach zur Freundschaft, nicht zum Sexus oder selbst zum Eros.)

Hier muß aber klargestellt werden, daß die Vereinigten Staaten keineswegs der sexuelle Hexenkessel sind, als die sie oft in Europa angesehen werden. Der alte Puritanismus ist keineswegs völlig tot und war noch bis vor kurzem äußerst stark. Bis zum Zweiten Weltkrieg verbat die Zensur den Ulysses von James Joyce. Vor dem Kapitol der Hauptstadt Pennsylvaniens hüpften um einen Springbrunnen in den Fünfzigerjahren kastrierte Männer aus Bronze. Es gibt Colleges (Altersgruppe 18-23), in denen weder Alkohol getrunken, noch getanzt, geraucht, Karten gespielt oder Kosmetik benutzt werden darf, ja auch solche (der Adventisten), in denen alles Fleisch und solche Aphrodisiaka wie Essig und Pfeffer verpönt sind. Moreau de Saint-Méry, ein französischer Emigrant zu Ende des 18. Jahrhunderts, gab uns ein sprechendes Bild der Sexualangst im frühen Amerika.

Die amerikanische Misogynie hat auch eine Misandrie[3] hervorgerufen, die die eigenartigsten Folgen zeitigt. So gibt es heute kleinere Frauenkollektive, in denen es Kinder, aber keine anwesenden Väter gibt. Die Frauen sind berufstätig, haben gelegentlich Beziehungen zu Männern und betätigen sich manchmal auch lesbisch, aber eine Frau (in Rotation) betreut jeweils die Kinder. („Einen Mann herumstehen haben, der einen in Beschlag nimmt und bedient werden möchte? Nein, Danke!“) Solche Weiber landen dann auch manchmal bei den Terroristen, wie z. B. die Weathermen mit ihren teilweise homosexuellen grausigen Kommunen. Diana Oughton, die traurige Heldin der Linksszene aus „bestem Haus“, die sich (unabsichtlich) in Vorbereitung eines Attentats in die Luft sprengte, verkörpert diesen Typ nur allzu deutlich.

Frauen und Gleichheit

Woher kommt dieser Kampf der Geschlechter? Zu gutem Teil aus einem animalischen Herdentrieb und Nämlichkeitsdrang, der vom Haß gegen alle jene genährt wird, die es wagen, „anders“ zu sein. Vergessen wir nicht, daß die drei Großen Revolutionen – die Französische, die Russische und die Deutsche – auf der Mobilisierung der Massen gegen verhaßte Minderheiten fußten. Der moderne Mensch ist eben kein personalistischer Pluralist (gerade darum wird dauernd vom Pluralismus geredet!), sondern ein kollektivistischer Uniformist. „Oh, why can’t they be as we are!“ ist ein Ausruf, den man so oft in Amerika hört, wenn über die Weltpolitik und die Wesensart anderer Völker gesprochen wird, aber gerade dieser große Seufzer beseelt auch die amerikanischen Männer, die sich noch immer nicht darüber beruhigt haben, daß Gott („die Natur“) die Menschheit nicht aus einem Stück geschaffen hat. (Ein Wunder, daß rabiate Feministinnen noch nicht bei der UNO-Menschenrechtskommission gegen die biologische Benachteiligung der Frau protestiert haben!)
Der Egalitarismus war ursprünglich in den Vereinigten Staaten keineswegs vorhanden. In der Verfassung wird das Land weder eine Republik, noch eine Demokratie genannt. Charles Beard sagte von den Gründervätern, daß sie die Demokratie mehr haßten als die Erbsünde. Noch 1787 beabsichtigten einige Amerikaner, Prinz Heinrich von Preußen, Bruder Friedrichs II, einzuladen, Erbstatthalter der USA werden. Die Demokratie kam später unter dem Einfluß der Französischen Revolution. Erst 1828 zog Andrew Jackson als erster Demokrat in das Weiße Haus ein. Doch Republikanertum und Demokratie sind Abstraktionen, sind nicht „fraulich“. (Es sei hier in Parenthese[4] gesagt, daß das Frauenwahlrecht zum erstenmal 1906 im Großfürstentum Finnland, durch die Unterschrift von Nikolaus II., zum Verfassungsgesetz erhoben wurde.)

Die Monarchie hingegen ist personal: sie ist das Regime von Männern und auch von Frauen, die aber psychisch wirksam als Elternpaar auftreten. Die Frau des Präsidenten ist keine Präsidentin, wohl aber ist die Frau des Königs eine Königin. Frauen stehen jedoch für das Konkrete und Personale, nicht für das Abstrakte. Die demokratisierte Republik ist „Herrschaft durch das Gesetz und nicht durch Personen.“ Eine Margaret Thatcher kann psychologisch Regierungsoberhaupt werden, weil auch eine Königin Regierungsoberhaupt ist und ihre Partei aristokratische Wurzeln hat. (In Asien liegen die Dinge natürlich anders.) Eine Frau als Präsident der USA ist hingegen undenkbar – schon weil sie die Schlammschlachten der Wahlkampagne kaum durchstehen könnte. Und gerade die Frauen würden sie nicht wählen.

Und hier möchten wir nicht zu allerletzt einen weiteren Faktor erwähnen. Die Reformation hat zu einer starken Vermännlichung des Christentums im Norden geführt. Nicht nur der Marienkult wurde abgeschafft, sondern auch der Verehrung der Heiligen wurde ein (oft radikales) Ende gesetzt. (Die Gebeine der heiligen Elisabeth in Marburg![5]) Im Frühchristentum sehen wir noch Kirchenväter mit misogyner Schlagseite unter den gnostisch-manichäischen Einflüssen Griechenlands, aber diese Verirrung verschwand allmählich, vor allen durch die Beispiele weiblicher Heiligkeit (und vielleicht auch durch den Minnedienst). Die Zahl der männlichen und weiblichen Heiligen im katholischen und ostkirchlichen Kalender dürfte ungefähr die gleiche sein.

Es ist bezeichnend, daß der amerikanische Feminismus selbst auf Nonnen übergriff. Wenn man die Reden studiert, die auf der Konferenz der katholischen Feministinnen in Chicago (11- 13. November 1983) von Nonnen und Nicht-Nonnen gehalten wurden, versteht man, warum das Episkopat über diese Entwicklung bestürzt ist. Auch hier wirkt sich die Misandrie und die demokratische Gleichmacherei aus. (Man bedenke: banale politische Ideologien den heiligen religiösen Raum zersetzend!) Wenn es nach diesen Damen ginge, könnte man im Jahre 2000 zum Cocktail in Rom „bei Papstens“ eingeladen werden. Spirituelle Gleichheit von Mann und Frau vor Gott bedingt noch lange nicht funktionelle Identität auf Erden. Wer würde schon gerne weibliche Bergknappen oder Feldwebel sehen? Letztere wünschen sich die Feministinnen, damit dann der nächste Krieg eine sadistische Sexorgie wird. Diesen amüsanten Plänen hat jedoch Präsident Reagan einen Riegel vorgeschoben.

Die Schuld an dieser Entwicklung in den USA? Sie liegt primär bei den Männern und bestimmten ideologischen Hirngespinsten. Hermann Keyserling (in Amerika Set Free) hatte begeistert von den jungen Amerikanerinnen auf ihren Hochschulen berichtet. Als Professor mit mehrjähriger Erfahrung in einem Frauen-College teile ich vollauf diesen Enthusiasmus. Sieht man dann diese jungen Mädchen zwanzig oder dreißig Jahre später, begegnet man nur zu oft enttäuschten, wenn nicht seelisch erschöpften Müttern, deren Idealismus verraucht ist – ein trauriges Erlebnis. Es ist nicht viel anders bei Frauen, die unverheiratet blieben und im Berufsleben stehen, wo ihnen in der Regel – es gibt rühmliche Ausnahmen – immer wieder bestimmte Grenzen gesetzt sind. Noch mehr Frauen im Berufsleben? Bei mehr Frauen im Angestelltenstand wird der Kampf der Geschlechter nur noch einen weiteren Auftrieb erhalten – von beiden Seiten!

Die Vereinigten Staaten sind und bleiben wahrscheinlich ein Männerland. Die Frauen haben es nirgends leicht (am allerwenigsten in der UdSSR), aber in USA noch weniges als bei uns. Ihr „Aufstand“ hat politisch-ideologische Formen angenommen. In einem weitverbreiteten Buch wird sogar das häßliche Problem der Vergewaltigung ernstlich als politisches Problem, als „Maskulinfaschismus“, behandelt. Natürlich gibt es auch Frauen, zweifellos ist es eine Mehrheit, die sich gegen dieser Feminismus sträuben. Sie haben ERA[6] unter der Führung von Phyllis Schlafly, einer grundgescheiten, sehr hübschen Juristin, die auch Mutter von 6 Kindern ist, zu Fall gebracht. Der Antifeminismus und der alt-neue Konservatismus arbeiten Hand in Hand, was ja zu erwarten war.
Einzelnachweise

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Fussnoten:

  1. öst. für Sockel
  2. „Weiberfeindschaft“
  3. „Männerscheu“
  4. „Einschub“
  5. Die Reliquien der Tochter von Andreas II. von Ungarn und Gertrud von Andechs-Meranien wurden vernichtet. Der Schädel ihres Hauptes konnte gerettet werden. Er ist in der Elisabethinen-Kirche in Wien.
  6. Siehe oben, – die Initiative zur Verfassungsänderung „equal rights amendment“.

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