Franz und Kyrill: Jahrtausendtreffen?

Weihrauchschwaden umnebelten das Treffen zwischen Papst Franz und Patriarch Kyrill auf Kuba. ›Historisch‹ wurde es genannt. Das Erste überhaupt. Nach 1000 Jahren schweigen. Doch ob es in die Geschichte eingeht oder bloße Fußnote wird, entscheiden die Wirkungen die es in der Zukunft entfaltet.

Beim Lesen der ›gemeinsamen Erklärungen‹ müssten auch Propheten Zweifel beschleichen, ob der Inhalt die verkorksten Beziehungen zwischen den verfeindeten Brüdern in Christo zu heilen vermag.

Christenverfolgung, Säkularisierung, Atheismus, gerechte Verteilung des Reichtums, Familie und Ehe bewahren, Abtreibung und Euthanasie bekämpfen, gegen den Mainstream schwimmen. Allgemeinplätze, über die sich Christen nicht verständigen müssen. Irdische Ableitungen aus dem Glaubensbekenntnis. Zumindest einige von ihnen.

Erwähnenswert allenfalls der einseitige Verzicht Roms auf den Uniatismus, der freilich schon vor längerer Zeit zu den Akten gelegt wurde. Das Moskau den unierten Kirchen im Gegenzug ein ›Existenzrecht‹ zugesteht, ist die Anerkennung des Faktischen.

Strittige Glaubensfragen wurden genauso ausgeklammert, wie der Streit um die Restituierung des unter den Kommunisten konfiszierten Eigentums. Bei Letzteren gebärden sich die Kirchenoberhäupter wie Flickschuster, geht es doch um erheblichen Immobilien- und Grundbesitz.

Die fehlende organisatorische Unterfütterung weihevoller Absichtserklärungen in Form von Kommissionen und Ausschüssen, die eine Zusammenarbeit erst in den Stand der Glaubwürdigkeit erhöben, nährt die Bedenken über die Bedeutung dieses Treffens. Zu tief sitzen die in tausend Jahren angehäuften Animositäten als das man jähe Wendungen erwarten könnte.

Man hat miteinander gesprochen. Ein Anfang. Vielleicht. Christen denken nicht in der Kurzatmigkeit moderner Dekaden, sondern in Jahrhunderten. In tausend Jahren ziehen wir Bilanz.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Glauben, Katholisch, Politik abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s