Vertreibung oder das Recht auf Heimat

›Amnesty International‹, zuletzt auffällig durch unüberprüfbare Vorwürfe an das russische Vorgehen in Syrien, scheint nun auch bei den Kurden aus dubiosen Quellen zu schöpfen. Woher die Informationen über die ethnischen Vertreibungen durch Kurden stammen, verrät Donatella Rovera nicht. Augenzeuge kann sie, wie in ähnlichen Fällen vorher, nicht sein. Aber das nur am Rande.

Die Doppelmoral moderner Menschenrechtler wird deutlich, wenn man ihre Haltungen zur größten Vertreibung der bekannten Geschichte untersucht: die der Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten des Reiches. Bis heute ein Thema das man lieber beschweigt, während man vergleichsweise geringere Verbrechen mit allerlei Superlativen bedenkt, weil sie gerade zu den politischen Absichten der transatlantischen Eliten passen.

Man stelle sich vor, Schlesien, Pommern, West- oder Ostpreußen würde noch heute mehrheitlich von Deutschen bewohnt? Keine Bundesregierung könnte es sich leisten, die verlorenen Gebiete auch verloren zu geben. Die Territorien wären ein ewiger Unruheherd und Kaliningrad hieße heute noch Königsberg. Die damalige Vertreibung schuf endgültige Fakten. An eine, wie auch immer geartete, Wiedereingliederung der Provinzen ist heute nicht einmal zu denken, ohne Unrecht auf Unrecht zu häufen. Die Lebenden heute danken’s den Toten von gestern.

Der Balkan gleicht noch immer einem Pulverfass, dass bei Abzug der europäischen ›Friedenstruppen‹ augenblicklich ethisch explodieren würde. Hätte man während des Bürgerkrieges die lokalen ›Säuberungen‹ geduldet, natürlich nicht Srebrenica, statt die jugoslawische Dispersion zu konservieren, wären die umstrittenen Gebiete vielleicht schon befriedet.

»Hohe Mauern schaffen gute Nachbarn«, so ein russisches Sprichwort.

Über eine Million ukrainische Russen hat im Stammland Asyl gesucht. Nicht nur der Bürgerkrieg hat sie aus ihrer Heimat vertrieben, die nationalistische Politik der Kiewer Regierung tut ihr übriges. Im Baltikum wird die russische Minderheit, unter den Augen der EU, offen diskriminiert. Darf sie weder studieren, noch für den Staat arbeiten.

Wenn die Peschmerga tatsächlich zum Mittel der Vertreibung greifen sollte, muss man zumindest die Ursachen untersuchen, statt sich in vordergründigen Moralismus zu verbrauchen. Wer Vertreibungen pauschal anprangert, muss ein ›Recht auf Heimat‹ postulieren, was der doppelbödige Humanist so scheut, wie der Beelzebub das Weihwasser.

Nichts ist nur ›gut‹. Nichts nur ›böse‹.

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