Über die Tücken des induktiven Denkens

Sherlock Holmes war Meister des induktiven Denkens, da er von einem einzelnen Indiz auf die Zugehörigkeit eines Menschen zur Menge der Mörder schließen konnte, indem er eine Beweiskette vorlegte,  die widerspruchsfrei und vollständig war.

Eine Tücke der Induktion offenbart der letzte Halbsatz im ersten Absatz.

Die Tatsache, dass der Engländer Stapleton im ‚Hund von Baskerville‘ des Mordes überführt wurde, macht nicht alle Briten zu Mördern. Das Herausgreifen beliebiger Einzelbeispiele und ihre unzulässige Verallgemeinerung auf eine Menge von Personen ist in weniger klaren Fällen eine beliebte rhetorische Figur bei Menschen, die der Aussagelogik entweder nicht mächtig sind ober sie bewusst missbräuchlich verwenden, um eigene Interessen zu befeuern.

Man kann über das induktive Denken unter keinen Umständen Mengen definieren, sondern lediglich feststellen, ob ein konkretes Element zu einer wohldefinierten Menge gehört oder nicht.

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‚Wohldefiniert‘ ist der nächste Probierstein für die Akkuratesse logischer Beweisketten, die allzu oft genau dann, ob aus böser Absicht oder nicht, zu unerlaubten Konklusionen führt, wenn man Definitionen mit Attributen überlastet, die sich möglicherweise aus einer Menge ableiten lassen, aber nicht zur Definition derselben gehören.

Will man beweisen, ob ein Gegenstand zu einer Quantität gehört, müssen die Qualitäten derselben klar abgegrenzt sein.

Anschaulicher: Nicht jede Auseinandersetzung zwischen einem Weißen und einem Schwarzen hat Rassismus als Ursache. Rassismus wird durch zwei Merkmale gänzlich und abgrenzend beschrieben: Zum einem muss man die Existenz von Rassen anerkennen und zweitens muss man die Überlegenheit einer Ethnie über andere postulieren. Fehlt nur eines der beiden Merkmale, kann man nicht von Rassismus sprechen. Gewalt gehört nicht zu diesem Terminus, folglich kann man aus der oben angerissenen Situation selbst dann nicht folgerichtig auf Rassismus schließen, wenn derartige Verhaltensweisen mit diesem Begriffe schwanger gehen sollten. Es gibt Rassisten, die Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung ablehnen, während es Anti-Rassisten gibt, die Rohheit gegen Rassisten präferieren. Selbst wenn alle Rassisten gewalttätig wären, ist dieses Attribut kein hinreichendes Merkmal um auf Rassismus zu schließen, wenn allein Gewalt im Spiele ist. Angehöriger einer Menge ist nur, auf den alle Merkmale zutreffen.

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Die Verwahrlosung der Rhetorik begann, als die Aufklärung ihren Ätzkalk über die Logik der Sprache kippte, die seit Aristoteles zum gesicherten Wissen der Europäer gehörte. Nicht erst Kant stieß das deduktive Denken vom Thron und erklärte die Induktion zum Allheilmittel gegen mittelalterliche Sophisterei. Die Zerstörung der Sprache brach erst die Bahn für jene Ideologien, Spekulationen und wilden Theorien, die in den bekannten Verheerungen der Neuzeit mündeten. Man erschuf Termini – wie Rasse, Klasse, Masse, ect. – aus dem logischen Nichts, um aus ihnen Weltanschauungen – ein Begriff der vorher völlig unbekannt war – mit dem Ziel zu formen, große Menschengruppen gegeneinander zu hetzen. Das politische Spiel ist zwar wesentlich älter als die Renaissance oder die Aufklärung, aber erst die Neuzeit hat diese Pseudowissenschaften, wie den Marxismus, zu einem Mittel reifen lassen, welches es perfektioniert.

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Induktives Denken hat der Naturwissenschaft viele Durchbrüche beschert, welche die scholastische Denkschule nicht zu leisten vermochte und doch zeigten sich schon bald darauf die Schwächen, die sich aus der Verachtung der Deduktion ergeben sollten: Darwin brachte es fertig aus ein paar jämmerlichen Knochenfunden eine Theorie zu konstruieren, die heute unter dem Termini ‚Darwinismus‘ zu einer Ideologie mutiert ist, die sich durch wilde Spekulationen und unbeweisbare Behauptungen mehr auszeichnet, als durch exakte wissenschaftliche Arbeiten.

Die Reihe dieser grandiosen Fehlentwicklungen ließe sich fortsetzen und doch sei an dieser Stelle der erzählerische Faden durchschnitten, um ihn später weiterzuspinnen.

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So richtig es war, die Schwächen des deduktiven Denkens einer vernichtenden Kritik zu unterziehen, so falsch war es, dieses in Bausch und Bogen zu negieren. Man hat die These und die Antithese. Was fehlt, ist die Synthese. Die Negation der Negation. Die Kritik der Aufklärung mit dem Ziel, auf der Suche nach Gottes Plan voranzukommen.

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