Déjà-vu im November

Als im November 1989 die ostdeutsche Mauer fiel, da mehrten sich die Aufrufe revolutionärer Aktivisten (der ersten Stunden) nun doch endlich den „richtigen Sozialismus“ zu wagen. Nichts war den Revoluzzern von damals gräulicher als der Gedanke an die deutsche Einheit, von der sie nur jene kapitalistischen Schrecken erwarteten, die ihnen ‚die Partei‘ jahrelang an die Wand menetekelt hatte. Je mehr Volk die deutsche Fahne schwenkte, desto eindringlicher der Ruf nach dem „wahren Sozialismus“, der teilweise schrille Züge annahm. Doch den Umstürzlern lief das Volk schneller davon, als es gekommen war.

Déjà-vu: Wer heute das politische System der BRD kritisiert, kommt nicht umhin eine „richtige Demokratie“ anzumahnen, da die „real existierende“ deshalb als Ursache aller zeitgenössischen Übel erscheint, weil ‚das Volk‘ nicht total über sich selber herrscht; so wie Anno der Sozialismus nur deshalb nicht funktionierte, weil er nicht radikal genug war. Da waren die Bonzen von damals genauso davor, wie es heuer ‚die Politiker‘ sind, wenn es um „echte Demokratie“ geht.

Aber sowenig wie man den Sozialismus durch noch mehr Sozialismus zu heilen vermag, so wird ’noch mehr Demokratie‘ die beklagten Symptome nur verschärfen. Eines weiß der Reaktionär nämlich ganz genau: Bisher hat noch jede ‚Revolution‘ ihre Kinder gefressen; waren es die trittbettfahrenden Massen, welche die alten Verhältnisse im neuen Gewand wiederhergestellt haben.

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