Kochbuch für die moderne Frau

Gerade eben ist es mir unter die Finger gekommen, das Kochbuch für die moderne Frau, aus dem „Verlag für die Frau“, herausgegeben in Leipzig – wo sonst? – im Schicksalsjahr der Westdeutschen 1968.

Gleich zu Anfang stehen da „normative Bedarfssätze“, fein nach Geschlecht unterteilt: Selbst schwer arbeitende Frauen brauchen im Schnitt 400 Kalorien weniger als ihre Männer. „Schwerstarbeitende Frauen“ kommen in der Aufstellung erst gar nicht vor. Glückliche Zeiten müssen das gewesen sein. Damals in der DDR.

Interessant auch, das Schwangere einen unterschiedlichen Kalorienbedarf entwickeln, je nachdem, ob sie ein Mädchen oder einen Jungen austragen. So behauptete es das Institut für Ernährung in Potsdam-Rehbrücke. Da saßen die Ernährungswissenschaftler aus dem letzten großen Krieg. Die wussten noch, über was und wovon sie reden.

Das ist nicht nur ein Kochbuch, sondern eines, woraus man Geschichte lernt. Was es damals, 1968, schon gab und welche Gemüsearten weniger bekannt waren: „Artischoken, Auberginen, Zuchetti und Pastinaken“. Zum Beispiel.

Und Gerichte, welche man schlicht vergessen hat. Mehlschwitze beispielsweise.

Die Kochbücher aus alten Zeiten erzählen mehr über unsere Geschichte als die bestallten Doktoren auf ihren universitären Lehrstühlen je verraten dürfen. Oder können. Oder wollen.

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