Mensch und Unmensch

Hinter den Kulissen der blendenden Leuchtreklame eines Konsumparadieses hatte sich eine zunächst mittelalterlich anmutende Mentalinquisition der Unkultur gegen die Kultur etabliert, um den Menschen – im Namen der Menschlichkeit – in den vorkulturellen (d. i. vormenschlichen) Zustand der Steinzeit, in den Zustand der Unmenschlichkeit, und eigentlich auf eine tierisch vormenschliche Stufe der Evolution, zu transformieren, also um zu vernichten. Die zu diesem Zweck neu erfundene künstliche Naturreligion, eine Art Schwärmen für die Unnatur, als „natürliche Religion“ bezeichnet. Es sollte eine neue Spezies den Kulturmenschen Homo sapiens ablösen, der dem Homo erectus als der Vorfahre des Homo sapiens vor der Kultur nachempfunden war, der als Übermensch bezeichnet wird, oder oft einfach als der „neue Mensch der Neuzeit“, die Stelle des Menschen einnehmen. Der alt-neue (Un)Mensch (Homo erectus) sollte gleichsam den bisherigen Menschen (Homo sapiens) beerben.

Nach diesem Schema wird die als goldenes Zeitalter verklärte Vorzeit so dargestellt, als wäre damals der Mensch mit der Natur eins gewesen, gleichsam ein Tier, das als solches keine Kultur brauchte, sondern Tieren gleich ein Teil der Natur war, und dass die Entwicklung von dort in Richtung Kultur nicht Fortschritt, sondern Rückschritt gewesen wäre, ein stufenweiser Abstieg von der Natur zur Kultur, d. i. vom Tier zum Menschen, indem die Kultur des Menschen ihn nach und nach von der Natur entfremdet, und so von dem goldenen Zeitalter entfernt, dass die Kultur den Menschen  degeneriert hätte.

Diese als stufenweiser Rückschritt, als Entfremdung von der Natur in der Kultur, empfundene Entwicklung der Kultur des Homo sapiens, stellt im Gesamtzusammenhang insofern doch einen Fortschritt dar, als am Höhepunkt der Kultur diese – gleichsam sich selbst übertreffend – sich selbst überwinde, ja sich selbst zerstöre, und der Urzustand des goldenen Zeitalters mit dem Homo erectus wiederkehre und sich im Untergang der Kultur manifestiere, um so mit der Natur wieder eins zu werden.

Gabriel Foco; Der Unverstand der Moderne; Dissertation; Wien 2004

Was Foco beschreibt sind Vorstellungen, deren Wurzeln sich in der Mystik der Antike verorten lassen, die über die Mittelzeit hinweg tradiert, in der naiven Naturschwärmerei eines Rousseaus münden, fröhliche Urstände in der Deutschen Romantik feierten und als vorläufiger Kulminationspunkt ihren Niederschlag in der reinen Lehre des Kommunismus fanden.

Einig sind sich die Protagonisten in der Auffassung vom allmählichen Niedergang des Menschengeschlechts, den Abstieg vom goldenen Zeitalter zur Eisenzeit. Während in der Edda das Ragnarök folgt, verspricht der Kommunismus die Rückkehr zum Urzustand, dem Urkommunismus, der Urgesellschaft, freilich auf einem technischen Niveau, das er als irdisches Paradies begreift, in dem es Niemanden an nichts mangelt. Überwunden werden müsse dazu lediglich die Zwischenkultur und der Homo sapiens als deren Träger, an dessen Stelle wahlweise der Übermensch Nietzsches oder der Homo novus der „modernen“ Linken tritt.  Massenmord,  Umerziehung und Kulturrevolution sind dem Ziel probate Mittel und die Antichristen haben seit 1789 mehr als einmal wissen lassen, dass sie davor mitnichten zurückschrecken. Es geht ihnen, und hier übertreibt Foco keineswegs, um die physische Vernichtung des Homo sapiens, des „verständigen“ Menschen.

Zwar kennt die katholische Kirche ihr Ragnarök, Armageddon genannt, nur sterben dort keine Götter und eine historisierende Zwangsläufigkeit als Abfolge aufeinanderfolgender Zeitalter ist ihr unbekannt. Der katholische Glaube will den Menschen nicht erneuern, sondern über Gott zu seinem Himmelreiche führen, indem es das irdische Leben in Hinblick auf die Bedürfnisse der unsterblichen Seele ordnet.

 Gott verlangt vom Menschen nicht mehr als die Einhaltung ganzer zehn Gebote, deren Übertretungen er überdies noch verzeiht, sofern der Sünder reuig in die Kommunion zurückkehrt.

Da mag in Hinblick auf Menschen, die sich im christlichen Fanatismus verirrten oder den Missbrauch des Glaubens durch Macht und Mächtige wenig tröstlich erscheinen, dies soll hier nicht bestritten werden, aber es ist doch ein Unterschied zu dem Furor, den die sogenannte „Moderne“ entfesselt hat und noch entfesseln wird.

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Eine Antwort zu Mensch und Unmensch

  1. templarii schreibt:

    Es ist verwunderlich so etwas zu lesen, mir als Exil-Osteuropäern war nie ganz klar woran es mangelt in der Kommunikation mit Deutschen. Ich verirrte mich sogar auf allerlei Wegen des Neuheidentums und der Magie um zu gucken was denn Sache ist – letztlich immer auf der Suche nach Zugang zum Verständnis.

    Mir ist es inzwischen klar, dass was hier „Reaktionär“ (also quasi UR-Konservativ) verstanden wird, ist dass, was eigentlich völlig normal ist. Und das haben die Deutschen vergessen. Die Ruinen sind gewaltig, so gewaltig dass die beschäftigung damit die meisten überfordert, sie bleiben vor dem Haufen sitzen oder ignorieren. Stumm.

    Irgendwo zwischen Akte-X und der Sehnsucht nach „Aufstieg der Menschheit durch Ausserirdische“ und „Kommunismus“ ist das Bewusstsein für die Wahrheit verloren gegangen – die Wahrheitsfähigkeit fällt und damit natürlich auch die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft. Wer immer wieder Partikularwahrheiten permanent neu definieren muss, kommt aus dem Diskutieren nicht mehr raus – nennt sich heute „Staat & Gesellschaft“.

    Sie sind nicht Reaktionär, jedenfalls nicht im wirklichen Sinne – mir ist klar dass der Name irgendwie provozieren und Stellung beziehen soll. Sie sind normal.

    Und ganz nüchtern betrachtet ist eine Gesellschaft mit 10 Geboten viel effektiver als eine Gesellschaft mit dem BGB und allen zusätzlichen Regeln. Darum sind die Islamisten schon viel effektiver als die modernen Staaten – und eine Christliche Gemeinschaft noch viel effektiver. Daran sollte man denken – den Staat brauchen wir eigentlich gar nicht mehr, wir haben technische Werkzeuge um eine Struktur des Nicht-Staates zu bauen.

    Den Golem Staat kann man sterben lassen, ganz leise und heimlich..

    Templarii

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