Demokratie: Totalitäre Ahnungslosigkeit

„Wenn man darauf besteht, dass Staat und Religion identisch sind, ist es fast unmöglich, dass sich andere Meinungen entfalten können“, sagte der frühere US-Außenminister Henry Kissinger kürzlich in Hinblick auf die politische Entwicklung der arabischen Welt.

Als ob in einer Demokratie „andere Meinungen“ aufblühen könnten. Wer hierzulande gegen den Hauptstrom schwimmt, stirbt zwar keinen natürlichen, wohl aber den sozialen Tod. Hier tobt der „virtuelle Mob“ (shitstorm), dort der reale. Hier legen Menschen, die virtuell unter die Räder kommen, Hand an sich selbst, dort wird Hand an sie gelegt.

Eine Demokratie ist, wenn sie nicht sowieso von lautstarken Minderheiten terrorisiert wird, mindestens ebenso totalitär, wie eine sozialistische Diktatur oder eine islamische Theokratie. Sie lässt so wenig einen Diskurs über andere Formen der Machtausübung zu, wie jedes andere Regime auch, sofern diese politisch oder theologisch agieren, sich also auf die Macht mobilisierbarer Massen stützen. Sie können keine Debatten zulassen, weil jede Wirklichkeit sich nicht an Idealen messen lassen kann, ohne gegen diese zu verlieren.

Die Vereinigten Staaten sind nicht einmal gewillt nichtdemokratische Staatsformen außerhalb ihres Hoheitsgebietes zu tolerieren. Wenn sie es tun, dann allenfalls temporär, solange sie den nationalen Interessen der Supermacht nicht im Wege stehen, respektive ihnen nutzen. Sie werden in dem Augenblick erledigt, in dem der Grund für die geduldete Toleranz verschwindet. Man schaue auf das Schicksal diverser Diktatoren, die sich den USA irgendwann angedient hatten.

Auf die bizarre Idee, dass Demokratie etwas Erstrebenswertes sei, können nur säkularisierte Demokraten kommen. Für Christen, Moslems allzumal, ist diese Vorstellung mindestens ebenso absurd, wie es der Versuch eines Biologen wäre, Amöben darüber abstimmen zu lassen, welche Experimente er nächstens mit ihnen durchführen darf, um sich anschließend auf das Abstimmungsergebnis zu berufen.

Demokratie ist die Herrschaft der Ahnungslosen, in der selbst die Repräsentanten des Volkes nicht wirklich wissen, über was sie abstimmen – wie die Vorgänge um den ESM beweisen.

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