Theologie und Politik

Juan Donoso Cotés; Versuch über den Katholizismus, den Liberalismus und Socialismus

Cortes schrieb das zu einer Zeit, als Theologie noch allgegenwärtig und ihre Lehrsätze den gebildeten Ständen bekannt waren. Zwar gibt es heute noch jede Menge politisierender Theologen, nur ist ihr Einfluss auf den öffentlichen Diskurs außerhalb der Kirche gering und selbst sie begreifen die Wissenschaften, oder das was man heute dafür hält, nicht mehr als Magd der Theologie, wie sie überhaupt bezweifeln lassen, das sie ihr ureigenes Fach für eine Wissenschaft halten.

Aber so, wie die Naturwissenschaft von Axiomen ausgehen muss, die sich aus nichts anderen als aus dem Licht der Vernunft ableiten lassen, so verlässt sich die Theologie auf die von Gott geoffenbarten Ursätze des Glaubens. (vergl. Thomas von Aquino; Summa; Ist Theologie Wissenschaft?)

Der heute Gläubige wird zugeben müssen, das der Satz des Cortes, ihm erhebliche Probleme nicht deshalb bereitet, weil er schwach im Glauben wäre, wohl aber weil die Politik sich vom Glauben entfremdet hat und wenig Bereitschaft zu bestehen scheint, die Kluft zu überwinden.

Das, was sich heute christlich dünkt, verdient im Lichte der Tradition betrachtet, nicht einmal den Namen mit dem es sich schmückt. Nicht weil sie bösen Willens sind, wohl aber weil sie gar nicht mehr wissen, dass die von ihnen betriebene Politik gegen die Ursätze des christlichen Glaubens verstößt, sie unbewusst ob ihrer Sünde, die Säkularisierung der Welt, im trauten Schulterschluss mit den Antichristen, vorantreiben.

So wäre die Aufgabe der Theologie, statt einen Kompromiss mit dem Zeitgeist zu suchen, die Wiederentdeckung der heiligen Wissenschaft hinter der Alltagspolitik. Allein der Reaktionär weiß vom frommen, wie unerfüllbaren Ansinnen dieser Forderung, weil es noch niemals gelungen ist, eine einmal gebrochene Tradition wiederzubeleben, es sei denn als folkloristische Farce, auch deshalb, weil niemand mehr den Sinn und Nutzen einer solchen Forschung zu erkennen vermag. Donoso Cortes war der letzte katholische Denker von edlem Rang, dem dies gelang.

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