Von den letzten Dingen

In der Heiligen Schrift bezeichnet der Begriff „Die letzten Dinge“ alles, was der Mensch an seinem Lebensende vorfinden wird: den Tod, das Gericht, sein ewiges Schicksal – den Himmel oder die Hölle.
Einige Aussagen des heiligen Josefmaria darüber:

Der wahre Christ ist immer bereit, vor Gott zu erscheinen. Denn wenn er sich bemüht, als Jünger Christi zu leben, dann ist er in jedem Augenblick darauf vorbereitet, seine Pflicht zu erfüllen.
Die Spur des Sämanns, 875

Im Angesicht des Todes – heiter, gelassen… So möchte ich dich sehen. – Nicht mit der stoischen Kälte eines Heiden, sondern mit der Sicherheit des Gotteskindes, das in seinem Herzen weiß: sein Leben wird verwandelt, nicht genommen…
Sterben? Nein: Leben!
Die Spur des Sämanns, 876

Er war Doktor der Jurisprudenz und der Philosophie und stand im Begriff, einen Lehrstuhl an der Universität von Madrid zu erhalten. Nach einem glanzvollen Studienabschluß winkte eine glanzvolle Laufbahn.
Er ließ mir mitteilen, daß er krank sei und mich sehen möchte. Als ich zu der Pension kam, wo er wohnte, begrüßte er mich mit den Worten: »Vater, ich sterbe«. Liebevoll machte ich ihm Mut. Er legte eine Lebensbeichte ab. In derselben Nacht starb er.
Ein Architekt und ein Arzt halfen mir, den Leichnam herzurichten. – Wir standen vor einem jugendlichen Leib, der schon zu verwesen begann. Und wir drei waren uns darin einig: der Glanz einer Laufbahn mit zwei abgeschlossenen Hochschulstudien war ein Nichts, gemessen an der anderen, der entscheidenden Laufbahn, die er als guter Christ vollendet hatte.
Die Spur des Sämanns, 877

Alles läßt sich zurechtrücken, nur der Tod nicht…, er rückt schließlich alles zurecht.
Die Spur des Sämanns, 878

Der Tod wird kommen, unerbittlich. Deshalb ist es leerer Wahn, unsere Existenz ausschließlich mit diesem irdischen Leben gleichzusetzen. Sieh doch, wie sehr viele Menschen darunter leiden: die einen, weil das Leben zu Ende geht und sie es hinter sich lassen müssen, die anderen, weil es nicht enden will und ihnen zur Last wird… Auf jeden Fall ist es abwegig, aus unserem Lebensweg das Lebensziel zu machen.
Man muß die Fesseln einer solchen, rein innerweltlichen Betrachtungsweise sprengen und sich der kurzen Dauer der eigenen Existenz bewußt werden. Dazu bedarf es eines radikalen inneren Umschwungs: Sich vom eigenen Ich und von allen zeitlichen, egoistischen Motivationen ganz und gar loslösen und in Christus, der ewig ist, neu geboren werden.
Die Spur des Sämanns, 879

Fürchte dich trotz deiner Sünden nicht, wenn du an den Tod denkst… Denn Er weiß ja, daß du Ihn liebst. Und ebenso weiß Er, aus welchem Stoff du gemacht bist…
Wenn du den Herrn suchst, wird Er dich so empfangen, wie der Vater den verlorenen Sohn empfing – aber suchen mußt du Ihn!
Die Spur des Sämanns, 880

»Non habemus hic manentem civitatem« – wir haben hier auf Erden keine bleibende Stätte. – Damit wir das nicht vergessen, zeigt sich diese Wahrheit in der Todesstunde manchmal mit aller Härte: in Form von Unverständnis, Verfolgung, Verachtung… Und am Ende immer jene letzte Einsamkeit… Denn selbst wenn die Liebe vieler Menschen den Scheidenden umgibt – jeder stirbt allein.
Lösen wir schon jetzt die Ankertaue! Treffen wir beharrlich unsere Vorbereitungen für den großen endgültigen Aufbruch – hin zur ewigen Anschauung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.
Die Spur des Sämanns, 881

Du hast Trost gefunden in der Erkenntnis, daß leben bedeutet, sich zu verschenken, sich im Dienste Gottes zu verzehren. Wenn wir uns vollständig für Ihn verausgaben, wird der Tod als der Befreier kommen, der uns in das Leben, unser ewiges Erbe, hinübergeleiten wird.
Die Spur des Sämanns, 883

Darin besteht die große Revolution des Christentums: den Schmerz zu verwandeln in ein Leiden, das Frucht bringt, das Böse zu verwandeln in Gutes… Damit haben wir dem Teufel die stärkste Waffe entwunden – und mit ihr erobern wir die Ewigkeit.
Die Spur des Sämanns, 887

Das Fegefeuer bezeugt die Barmherzigkeit Gottes. Es reinigt die Seelen, die sich nach Gott sehnen, von ihren verbliebenen Schlacken.
Die Spur des Sämanns, 889

Tod und Gericht sind die Folgen der Sünde. Aber allein die Hölle ist die Strafe für die unbereute Sünde. Wer in der Gnade Gottes lebt, hat nichts zu fürchten.
Die Spur des Sämanns, 890

Wenn dich einmal der Gedanke an unseren Bruder Tod ängstigt – weil du dich ja in deiner wahren Erbärmlichkeit siehst! -, fasse Mut und denke an den Himmel, der uns erwartet: Wie wird es sein, wenn sich in das elende, brüchige Gefäß, das jedes menschliche Geschöpf ist, die ganze Herrlichkeit und Pracht, die Seligkeit und Liebe des unendlichen Gottes ergießt, wenn uns das vollkommene Glück ewig erfüllt?
Die Spur des Sämanns, 891

Wie ruhig kann sterben, wer immerfort und bis zum letzten Atemzug Gott hingegeben gelebt hat… Glaub mir, ich habe oft die Freude von Menschen gesehen, die sich viele Jahre lang in »gelassener Ungeduld« für diese ersehnte Begegnung bereit gemacht haben.
Die Spur des Sämanns, 893

Der Gedanke an den Tod wird dir helfen, deinen Nächsten mehr zu lieben, denn deine Begegnung mit diesem oder jenem Menschen kann die letzte sein – er oder sie, du oder ich können jeden Augenblick abberufen werden.
Die Spur des Sämanns, 895

Ein Kind Gottes hat keine Angst vor dem Leben und keine Angst vor dem Tod, denn sein geistliches Leben ruht auf dem Bewußtsein der Gotteskindschaft. Gott ist mein Vater, sagt es sich, Er ist der Urheber alles Guten, Er ist die Güte selbst.
Aber… verhalten wir uns – du, ich – wirklich als Kinder Gottes?
Im Feuer der Schmiede, 987

Ich war froh, daß du mich verstanden hattest. Ich hatte dir gesagt: Du und ich müssen handeln, leben und sterben als Liebende. Nur so werden wir ewig leben.
Im Feuer der Schmiede, 988

Stell dir deine Todesstunde vor Augen – wenn es auch nur einmal am Tag ist -, und erwäge in ihrem Licht die Ereignisse des Tages.
Ich versichere dir: Du wirst erfahren, wieviel innerer Frieden von diesem Gedanken ausgeht.
Im Feuer der Schmiede, 1038

Du wurdest sehr ernst, als ich dir sagte: Ich nehme den Tod an, wann Er will, wie Er will, wo Er will; und gleichzeitig halte ich es für zu »bequem«, früh zu sterben. Denn wir müssen uns wünschen, viele Jahre für Ihn und – Ihm zuliebe – für unsere Mitmenschen zu arbeiten.
Im Feuer der Schmiede, 1039

Wenn der Tod kommt, und er wird unerbittlich kommen, werden wir ihn freudig erwarten, wie ich es viele Menschen, die heilig ihren Alltag gelebt haben, habe tun sehen. Mit Freude, denn wenn wir Christus nachgefolgt sind im Guten, im Gehorsam und im Kreuztragen, werden auch wir wie Christus auferstehen, surrexit Dominus vere! – denn Er ist wahrhaft auferstanden.
Christus begegnen, 21

Die Kinder der Welt neigen sehr dazu, die Barmherzigkeit Gottes zu betonen – Das ermutigt sie dann, auf ihren Abwegen weiterzugehen.
Es ist wahr, daß Gott, unser Herr, unendlich barmherzig ist. Aber Er ist auch unendlich gerecht: es gibt ein Gericht, und Er ist der Richter.
Der Weg, 747

Die Seelen im Fegefeuer. – Denke oft aus Nachstenliebe, aus Gerechtigkeit, aus entschuldbarem Egoismus – denn sie vermögen viel vor Gott! – bei deinen Opfern und Gebeten an sie.
Könntest du doch, wenn du von ihnen sprichst, sage: „Meine guten Freunde, die Seelen im Fegefeuer…“
Der Weg, 571

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